Warum Frauen Laufen

„Es geht um Selbstverwirklichung“



Die Zahl reiner Frauenläufe steigt kontinuierlich. Es scheint, als blieben Frauen beim Laufen ab und an lieber unter sich. Sportpsychologe Jens Kleinert erklärt, wieso.

Professor Jens Kleinert, es gibt immer mehr Frauenläufe. Wieso laufen Frauen am liebsten nur mit anderen Frauen?

 

Bei den meisten gemischten Läufen sind viel mehr Männer als Frauen am Start. Frauen wollen aber auch mal dort laufen, wo mehr Frauen rennen. Das geht nur mit einem reinen Frauenlauf, sozusagen als Gegenposition.

Geht es wirklich nur darum, in der Überzahl zu sein?

Nicht nur. Bei allem was man macht, will man sich auch verwirklichen, und zur eigenen Identität gehört auch das Geschlecht. Frauen laufen also auch, um sich als Frauen zu verwirklichen, und das geht besser, wenn man mit Gleichgeschlechtlichen unterwegs ist.

Wieso?

 

Bei gemischten Läufen sind Frauen nicht nur in der Unterzahl, sondern meist auch langsamer. Das Merkmal Frau ist also mit einem gewissen Nachteil verbunden. In der eigenen Gruppe traut man sich mehr zu und ist auch eher bereit, Schwächen zu zeigen. Viele Frauen fühlen sich da wohler. Da herrscht ein Gefühl von „Wir sind unter uns“. In heterogenen Gruppen wie gemischten Läufen erscheint es manchen Frauen schwieriger, die eigenen Zielsetzungen auszuleben – manchmal auch gegen männertypische Ziele.

Haben Männer weniger Probleme in heterogenen Gruppen, oder wieso gibt es keine reinen Männerläufe?

Männer haben natürlich auch das Bedürfnis nach homogenen Gruppen, das sieht man an Männerabenden oder Kegelklubs. Aber da die meisten gemischten Läufe sowieso von Männern in Zahl und Leistung dominiert sind, sind sie wohl eher nicht auf der Suche nach reinen Männerläufen.

 

Unser Experte

Jens Kleinert ist Professor für Sport- und Gesundheitspsychologie sowie Leiter der Abteilung Gesundheit & Sozialpsychologie am Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln.

 

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